The Seal People Ensemble

The Seal People Ensemble

Òran na Mara : Das Kind der Robbenfrau

“An Land bin ich ein Mensch, im Meer bin ich ein Selkie.“

Unirdisch schön seien sie, voller Sanftmut, Güte und obendrein hochmusikalisch: die Fremdlinge mit den leuchtenden Kulleraugen, dem schlehschwarzen Haar und der perlmuttern schimmernden Haut.
Sind es Flüchtlinge aus südlichen Ländern, gefallene Engel, die Seelen Ertrunkener oder Feenwesen, welche in mondhellen Nächten an den Gestaden abgeschiedener Strände aus dem Zaubernebel tauchen? Um nackt oder in knöchellange Mäntel gehüllt einen einsamen Fischer, eine vernachlässigte Ehefrau in Liebe entbrennen zu lassen?

Selkies, Selchies oder Roans heissen in Irland und Schottland die Seehunde, die zur Zeit des 7. Stromes im März oder am Abend vor Johanni an Land schwimmen, ihre Häute abstreifen und Menschengestalt annehmen. Die archaischen Geschichten jener Flossenfüsser, Wanderer zwischen den Welten, Land und Meer, dem Realen und dem Imaginären, betören durch Atmosphäre, Poesie und durch eine uneinlösbare Sehnsucht.

Der Gemeinsamkeiten zwischen dem halbaquatischen Tier und dem Menschen sind Vielerlei, nicht nur, weil das Robbenbaby wie ein menschlicher Säugling nach der Mutter schreit. Es lässt sich beobachten, dass Seehunde einander küssen und, wie wir, salzige Tränen vergiessen. Ganze Familienstämme, wie beispielsweise die Irischen O’Sullivans oder die Schottischen MacCodrums von Uist führen ihre natürliche Abstammung auf die Seehunde zurück. Der heilige Columban war stolz, der Enkel einer Selkie-Frau zu sein und von der Mutter Alexander des Grossen heisst es, sie sei eine Seehündin gewesen.
Dass die Strahlkraft dieser Legenden sich bis in Filme und Literatur der Gegenwart bricht, liegt vielleicht daran, dass das dunkelglänzende Auge des Seehundes ein Spiegelbild von uns selbst zeigt, als hybride Grenzwesen, die wir sind, mit einer Flosse im Meer und einem Fuss auf dem festen Gelände der Zivilisation.

Robben hören gern Musik und es wird erzählt, dass Seehunde aufgeschnappte Klänge von menschlichen Sängern in ihre eigenen Lieder integrieren. In vielen Selkieballaden hallen ihre traurigschönen Weisen nach.

The Seal People Ensemble verwebt Seehundklänge mit einer Selkie-Geschichte aus der oralen Tradition zu einer zeitlosen Legende. Oran, das Kind aus der Verbindung einer Robbenfrau und einem Fischer, sucht die beiden Welten in seiner Berufung zum Musiker und Erzähler zu versöhnen.

Mit:
Fränzi Lüthi : Textkonzept und Erzählstimme – Peter Sterki : Musikalische Leitung, Glasharmonika und Piano – Silvan Sterki : Cello – Regula Robin : Akkordeon – Thomas Hofstetter : Klarinette – Simone Urben: Dramaturgie

Eintritt: 25.-, Gönner 20.-, Jugendliche 18.-

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